Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE)
Jahrgang VII, Heft 3-4 (2009)


Uwe Wagschal

Die Folgen der Finanzkrise und ihre Bewältigung: Konsolidierungsstrategien für die öffentlichen Haushalte


Der Beitrag stellt zunächst die kurz- und mittelfristigen Folgen der Finanzkrise für die Staatsverschuldung und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte dar. Daran anschließend werden auf Basis des internationalen sowie des Bundesländervergleichs sieben erfolgreiche Konsolidierungsstrategien vorgestellt. So hat sich gezeigt, dass ausgabenseitige Konsolidierungen erfolgreicher sind als Einnahmeerhöhungen. Zudem sollten Konsolidierungen zügig nach Machtwechseln begonnen werden. Daneben benötigen Konsolidierungen ein politisches Bekenntnis. Auf institutioneller Ebene wurden bei erfolgreichen Konsolidierern Budgetinstitutionen geändert, für die Bundesebene bietet sich hier die Einführung von Doppelhaushalten an. Außerdem ist es hilfreich, vorsichtig zu budgetieren und Sicherheitsabschläge einzuführen. Die Legitimation von Konsolidierungen kann über die Einbindung wichtiger gesellschaftlichen Gruppen erhöht werden und schließlich sind nicht nur Verschuldungsregeln entscheidend, sondern auch die verantwortlichen Akteure wie die Finanzminister. Auf Basis der Koalitionsvereinbarung sowie der Regierungserklärung der neu amtierenden Bundesregierung werden dann die geplanten Krisenbewältigungsstrategien für die Haushalte evaluiert.

Starting with a discussion of the consequences of the financial crisis for the public debt and consolidation efforts, this contribution lists seven successful consolidation strategies. They are deduced from international comparative studies as well as from German experiences on the Länder level. First, it turned out that expenditure-based consolidations are more effective than revenue-based strategies. The timing of the consolidation is crucial as well: they should be initiated immediately after a change in power. Moreover, consolidations need a political commitment. Successful countries also changed their budget institutions. A possible advice for the Federal level in Germany is the implementation of biannual budgets. Forecasts of economic development and tax revenues should be based on a special prudence concept. Acceptance of spending cuts can be increased with an involvement of all relevant societal groups. Finally, it turned out that actors are more important than rules. Therefore veto points of finance ministers should be strengthened. The last part of the article examines the planned policies of the Federal government in Germany. They are evaluated on the basis of successful consolidation strategies.