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Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE)
Jahrgang VII, Heft 3-4 (2009) Werner Heun Steuerung der Staatsverschuldung durch Verfassungsrecht im Widerstreit Die Ironie des Schicksals will es, dass gerade im Moment krisenbedingter Neuverschuldung in schwindelerregender Höhe die deutsche Verfassungspolitik fiskalische Defizite weitgehend zu unterbinden sucht. Jedoch ist ein allgemeiner Verzicht auf staatliche Neuverschuldung zum einen wirtschaftswissenschaftlich wie politökonomisch nur schwer zu rechtfertigen, zum anderen weist die neue „Schuldenbremse“ im Grundgesetz (wie auch äquivalente Institutionen in den USA und der Schweiz) eine Reihe von Möglichkeiten der Unterwanderung auf, die schon von der neuen Regierungskoalition beinahe zur Finanzierung unnötiger Steuersenkungen heranzogen worden wäre. Anhand einer Zusammenfassung der ökonomischen und verfassungsnormativen Argumente für und wider eine rechtliche Beschränkung der Nettokreditaufnahme sowie im Vergleich mit bestehenden Regelungen in anderen Staaten soll verdeutlicht werden, dass die finanzverfassungsrechtlichen Bestimmungen der „Föderalismusreform II“ auf fragwürdigen Annahmen beruhen und funktional nur schwer haltbar sind. In an unusual twist of irony, the German attempt to restrict severely the ability of the state to take on new debt has been flanked by soaring public deficits in the context of the ongoing economic and financial crisis. In addition, a general renunciation of new debt is neither economically justifiable nor is the Grundgesetz’s new Schuldenbremse (like its counterparts in many US states and Switzerland) as stringent as its proponents claim. By summarising the economic as well as constitutional-normative arguments for and against a legal limitation of the level of new public debt, and by drawing comparisons to existing frameworks in other countries, this article aims to show that the financial-constitutional provisions of the “Föderalismusreform II” are based on questionable assumptions and are, furthermore, hardly tenable from a functional perspective. |