Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE) /
Journal for Comparative Government and European Policy
Jahrgang / Volume VI, Nr. / No. 2 (2008)


Hans-Peter Schneider

Gestaltungsföderalismus statt Verwaltungsföderalismus: Chancen und Risiken der Landesparlamente

Nachdem die „Föderalismusreform I“ die Gesetzgebungskompetenzen der Landesparlamente ausgeweitet hat, geht es im zweiten Schritt auch um deren Befugnisse in der Verwaltungskontrolle und eine materielle Autonomie im Budgetbereich. In der Frage einer für alle Gebietskörperschaften gültigen „Schuldenbremse“ etwa befinden sich die Landesparlamente in einer Schlüsselstellung mit Blick auf ggf. erforderliche Änderungen der Landesverfassungen. Dennoch sind sie in der „Föderalismuskommission II“ stark unterrepräsentiert. Zwar wäre aus ihrer Sicht eine Erweiterung autonomer Gestaltungsspielräume gerade auch im Finanzbereich zu wünschen, doch steht zu befürchten, dass diese, etwa durch eine Begrenzung des Rechts zur Kreditaufnahme ohne entsprechend erweiterte Einnahmenautonomie, eher noch weiter eingeschränkt werden.

After the expansion of the legislative competencies assigned to the German Länder parliaments as a result of the first stage in reforming the federal system, their rights with respect to controlling public administration and a real budgetary autonomy are now at stake. The Länder parliaments are in a key position regarding possible modifications of the Länder constitutions in the context of a “National Stability Pact”. Nevertheless, they are by far underrepresented in the Commission in charge of the reform process. From their point of view, enhanced autonomy especially in financial affairs would be desirable; it is, however, to be expected that further limitations might be introduced, for example by restricting borrowing rights without a corresponding extension of tax raising powers.