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Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE) /
Journal for Comparative Government and European Policy Jahrgang / Volume IV, Nr. / No. 2 (2006) Hermann-Josef Große Kracht Nächstenliebe allein kann nicht genügen. Benedikts Antrittsenzyklika bricht zu früh ab Die erste Enzyklika des „deutschen“ Papstes Benedikt XVI. beginnt mit einer ausführlichen, für höchstlehramtliche Texte ungewöhnlich wohlwollenden Würdigung des „menschlichen Eros“, der nicht einfach gegen die „christliche Agape“ ausgespielt werden dürfe. Das Rundschreiben wendet sich aber nicht primär „an die Welt“, sondern an das Selbstverständnis der katholischen Wohlfahrtsverbände. Im Hinblick auf die aktuelle Lage des deutschen Katholizismus lässt sich die Enzyklika vor allem auf zwei Problemstellungen beziehen: die Diskussion, ob sich die Kirchen in Zeiten knapper Kassen aus dem breiten Feld der sozialen Dienstleistungen zurückziehen und auf „rein religiöse“ Aufgaben konzentrieren sollten, sowie die Frage, inwiefern die Angestellten katholischer Wohlfahrtsverbände neben ihrer beruflichen Kompetenz auch über eine klare kirchliche Identität verfügen müssen. Während die Enzyklika zu diesen Fragen wertvolle Orientierungen beinhaltet, spart sie die Analyse struktureller Ursachen der Krise im Bereich sozialer Dienstleistungen vollständig aus und bleibt deshalb sozialethisch unbefriedigend. The first encyclical by the “German” Pontifex Benedict XVI starts with an extensive, for dogmatic texts unusually benevolent appraisal of the “human eros” that must not be pitted against the “Christian agape” in a simplistic manner. However, the circular does not primarily address the “world”, but rather the self-image of Catholic charities. Given the factual situation of German Catholicism, the encyclical touches upon two key problems: the discussion on whether the churches should retreat from its broad engagement in the area of social services due to financial squeeze and concentrate, in contrast, on “purely religious” tasks, as well as the question in what way the staff of Catholic charities should also have a definite ecclesiastic identity in addition to their professional abilities. Whereas the encyclical provides valuable orientation on these issues, it does not address the structural causes of the crisis that the social service sector is currently undergoing. Therefore, “Deus caritas est” remains dissatisfying in a socio-ethical perspective. |