Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE)
Jahrgang II, Heft 2 (2004)


Dietrich Fürst

Flexibilisierung politisch-administrativer Steuerung durch grenzüberschreitende Kooperation?

Politisch-administrative Kooperation über die Landesgrenzen hinweg hat in den letzten 15 Jahren erheblich zugenommen. Ursächlich dafür sind veränderte politische Opportunitätsstrukturen, wesentlich durch die EU-Integration bedingt. Solche Kooperationen sind zweckgerichtet und erzeugen neuartige Formen von „governance“ in dem Sinne, dass sich Akteurskonstellationen zu neuen Themen mit selbstentwickelten Interaktions-Regelungen herausbilden. Eine Flexibilisierung der politisch-administrativen Strukturen dürfte allerdings weniger gegeben sein, wenn ihr Gegenstand bisher nicht wahrgenommene Aufgaben sind, sich die Interaktionsprozesse nicht über den Zeitraum konkreter Projekte hinaus verdichten und die Kooperation sich lediglich auf die Planungsphase, nicht aber auch auf die Vollzugsphase bezieht. Zudem ist ein neuer Modus nicht immer leicht abzugrenzen gegenüber generellen Veränderungen politisch-administrativer Problembearbeitung in einer globalisierten Wissensgesellschaft.

Politico-administrative co-operation beyond national borders has considerably increased during the last 15 years, because of improved political opportunity structures, basically as a result of European integration. Such co-operations are purposive and produce new modes of governance if constellations of actors emerge, dealing with new issues on the basis of self-developed rules of interaction. That entails a flexibilisation of politico-administrative structures if the subject is not a new task hitherto untackled, the processes of interaction do not end with a given project and the co-operation extends into the phase of implementation. However, the new mode is difficult to distinguish from changes of general patterns of politico-administrative problem-solving in a knowledge society within globalised contexts.