Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE)
Jahrgang II, Heft 1 (2004)


Carine Germond und Henning Türk

Der Staatssekretärausschuss für Europafragen und die Gestaltung der deutschen Europapolitik 1963–1969

Der 1963 gegründete Staatssekretärausschuss für Europafragen stellt das zentrale europapolitische Koordinationsgremium der Bundesregierung dar. Zur „Neutralisierung“ des Einflusses von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard unter Adenauer ins Leben gerufen, entwickelte sich der Ausschuss zu einer „Clearing-Stelle“ der unterschiedlichen Ressortsinteressen in der Europapolitik. Zwischen 1963 und 1969 war er maßgeblich an den europapolitischen Entscheidungen der Bundesregierung beteiligt. So leistete der Ausschuss einen wichtigen Beitrag zur Beendigung der „Krise des leeren Stuhls“ in der EWG, die von ihm verfasste Verhandlungsposition wurde teilweise in den „Luxemburger Kompromiss“ vom Januar 1966 aufgenommen. Auch an der Entwicklung der erfolgreichen Verhandlungstaktik für die Haager Gipfelkonferenz im Dezember 1969 hatte der Staatssekretärausschuss maßgeblichen Anteil. Insgesamt zeigt sich, dass eine Untersuchung des Staatssekretärausschusses für die historische Einordnung und Beurteilung der bundesdeutschen Europapolitik unabdingbar ist.

Founded in 1963, the State Secretary Committee for European Affairs represents the main coordinating body for European policy within the German government. Created under the chancellorship of Adenauer to neutralise the influence of the Minister for Economic Affairs, Ludwig Erhard, it soon became a “clearing house” for EEC-related interests of the different governmental departments. From 1963 to 1969, the Committee played a decisive part in European decision-making of the Federal Government. In particular, it was instrumental in overtaking the “empty chair”-crisis, developing the German position that structured the “Luxemburg Compromise” in January 1966. Furthermore, the State Secretaries participated in the elaboration of Germany’s tactical behaviour at the The Hague Summit in December 1969. In all, an analysis of the State Secretary Committee proves to be essential in understanding and evaluating Germany’s European policies in historical perspective.