Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften (ZSE)
Jahrgang I, Heft 2 (2003)


Hagen Schulze

„Traumland Europa“ – Europapläne einst und jetzt

Politische Europakonzeptionen vom ausgehenden Mittelalter bis zur Gegenwart sind meist dadurch gekennzeichnet, dass sich die europäischen Nationalstaaten immer nur gegen eine äußere Bedrohung, jedoch nie für ein gemeinsames Ziel zusammenschließen wollten. Nationale Eigeninteressen führten leichter zur Einigung als europabezogene Ideen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich das „Europa der Institutionen“ und das „Europa der Träume“ in noch bedenklicherer Weise auseinander. Angesichts des laufenden Prozesses einer „europäischen Verfassungsgebung“ sollten die „Finalitäts“-Diskussion und realpolitische Interessen stärker aufeinander bezogen werden.

Political conceptions of Europe from the late middle ages to the present clearly indicate that its nation states were only to be mobilised against an external threat, but hardly ever in favour of a common aim. National self-interests made it much easier to unite the continent than political ideas. After World War II the “Europe of Institutions” and the “Europe of Dreams” diverted even further. Given the ongoing process of “constitution-making” within the EU, one ought to try harder in uniting the “finalité”-discussion and political self-interests.